Das Aussterben der Liedermacher
Liedermacher Brian Weed - Fotolia.com
Musik ist Kunst. Musik ist Leidenschaft. Musik ist eine Art Fabelwelt, in die sich Menschen gerne zurückziehen, um sich selbst zu spüren. Aber Musik kann noch viel mehr. Musik kann ein Ausdruck politischer Denke sein. Dies haben der Bänkelsänger Franz Josef Degenhardt, Georg Kreisler und der Songmacher Ludwig Hirsch bewiesen. Die phänomenalen Liedermacher sind im letzten Jahr gestorben, was sie zu einem der politisch-versierten Denkern in der Musikgeschichte macht.
Degenhardt sang über die Pleite des Finanzkapitalismus noch ehe er eingetroffen war, sah im Voraus die Politiker und Regierungschefs zusammenbrechen und die Bevölkerung voller Ärger in die Welt gehen. Und dies alles,wie gesagt, bevor es sich bewahrheitet hat. Der Sänger hat schmerzhafte Tatsachen in Melodien verpackt. Er beschrieb das Glück der Menschen, die eine gelungene Revolution erlebt haben, noch ehe sie passierte. Insbesondere der Satz über die New Economy hat es in viele Ohren geschafft. Er sang: ” Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash… dass die Kurse und Masken fallen… Also lasst uns freuen und träumen davon… wie die Racheposaunen erschallen.”
Im November 2011 verstarb der Sänger und Komponist Franz Josef Degenhardt. Eine Woche später folgte ihm der Musiker Georg Kreisler und nur 48 Stunden später verstarb auch der Chansonnier Ludwig Hirsch. Dieser sprang aus dem Fenster des Wiener Wilhelminen-Krankenhauses.
Alle drei Künstler verstanden es, das Politische in die Kunst, in die Musik so einzubauen, dass dem Zuhörer nicht anderes bleibt, als sich mit den Themen zu befassen. Sie wurden geliebt und gehasst. Meist sah man in ihnen eine Bedrohung, doch in der Bevölkerung bewirkten sie oft kleine Wunder. Tabuthemen wurden aufgerollt und besprochen. Und so bleiben die Musiker für immer unvergessen.